Böse Schwiegermutter – ein Klischee?

Ist die „böse Schwiegermutter“ nur ein Klischee oder ist etwas Wahres daran? Eine kürzlich durchgeführte Befragung bei deutschen Frauen ergab, dass es sich hierbei eher um ein Märchen handelt. Immerhin zwei Drittel der befragten Frauen zwischen 20 und 60 Jahren gab an, sich mit der Schwiegermutter gut zu verstehen und nur 12 Prozent sehen in ihrer Schwiegermutter eine Konkurrenz um die Zuneigung des Mannes. Ebenfalls 12 Prozent der Frauen haben das Gefühl, von ihrer Schwiegermutter als Konkurrenz angesehen zu werden. 16 Prozent bemängeln, dass sich die Schwiegermutter zu oft einmischt. Etwa 25 Prozent der Frauen glauben, dass sich die Schwiegermutter eine andere Partnerin für ihren Sohn gewünscht habe. 28 Prozent der Frauen sagten, dass die Beziehung zwischen ihr und ihrem Mann unter dem schwierigen Verhältnis zur Schwiegermutter leide.

Doch ist die böse Schwiegermutter wirklich nur ein Märchen? Immerhin hat der schlechte Ruf von Schwiegermüttern dazu geführt, dass ein sehr dorniger Kugelkaktus „Schwiegermuttersessel“ genannt wird und der Bogenhanf, eine Zimmerpflanze mit scharfen Blattspitzen, als „Schwiegermutters Zunge“ bezeichnet wird. „Schwiegermutter“ heißt auch die mit vier spitzen Haken versehene medizinische Klammer, die sich in den elastischen Verband krallt.

Immerhin sagen sieben Prozent aller Geschiedenen und unter ihnen weit mehr Frauen als Männer, dass die „Schwiegerhexe“ der Grund für das Scheitern der Ehe gewesen sei. Aus Selbsthilfegruppen für Schwiegertöchter – deren Existenz an sich schon etwas aussagt über Schwiegermütter – gibt es Berichte über unglaubliche Maßnahmen von Schwiegermüttern bis hin zur Anheuerung eines Killers zum Beseitigen der Schwiegertochter.

Evolutionsbiologen und Soziologen versuchen, dem Phänomen „böse Schwiegermutter“ auf den Grund zu gehen. Historische Daten aus den Kirchenbüchern des 18. Und 19. Jahrhunderts aus Ostfriesland über 23.000 Landarbeitersippen zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Babies tot zur Welt kamen oder in den ersten Lebensmonaten verstarben, dann deutlich erhöht war, wenn die Großmutter väterlicherseits in der Nähe wohnte, besonders, wenn die Großmutter mütterlicherseits nicht mehr am Leben war. Man nimmt an, dass dies direkt auf Stress der Mütter vor der Geburt durch Streit mit der Schwiegermutter oder gar Schikanen von dieser Seite, zumindest aber Gleichgültigkeit gegenüber der Schwiegertochter und deren Nachwuchs, zurückzuführen ist. Aber eigentlich müsste doch eine Großmutter am Wohl der Schwiegertochter und der Enkel, also daran, dass sie gesund zur Welt kommen und gesund bleiben, interessiert sein?

Schwiegertöchter sind theoretisch, aus der Sicht der Schwiegermütter, ersetzbar und Gewissheit hat die Schwiegermutter nicht, dass der Enkel wirklich ihr Fleisch und Blut, also das leibliche Kind des Sohnes, ist. Das sieht bei der Mutter der Frau natürlich ganz anders aus. Evolutionsbiologen gehen davon aus, dass ein solches Verhalten schon in den Genen liegt. Die „Großmutterhypothese“ geht davon aus, dass eine Frau jenseits der eigenen Fortpflanzungsfähigkeit ihre ganze Kraft den Nachkommen der Töchter widmen kann und somit in früheren Zeiten entscheidend zu deren Überleben beitrug. Bei Naturvölkern kann man dies noch heute beobachten.

Doch auch von sozialwissenschaftlicher Seite gibt es eine Erklärung für Probleme zwischen Schwiegertöchern und Schwiegermüttern: Eine Frau neigt immer dazu, bei Problemen oder wenn sie Hilfe benötigt, ihre eigene Mutter um Rat und Hilfe zu bitten als die Schwiegermutter. Würden demnach Schwiegertöchter auch auf ihre Schwiegermütter in dieser Form zugehen, gäbe es vielleicht weniger Probleme?

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